Kapitel 5: Lagerkeller ohne Eis

Konstruktion der Keller


Abb. 6-01: Zugangsbauwerk



Abb. 6-02: Kellerraum


Schon frühzeitig wurde der Erdboden mit seiner konstanten Temperatur als Lagerraum für empfindliche Lebensmittel wie Obst und Gemüse genutzt. Sie müssen kühl aber frostfrei gelagert werden. Im Gegensatz zu den Eiskellern, bei denen die Temperatur im Idealfall unter dem Gefrierpunkt liegt, herrschen in Erdkellern in Deutschland etwa neun Grad Celsius. Neben Kellern für Obst und Gemüse wurden gab es auch Keller für Futterüben oder leicht brennbare Flüssigkeiten, wie beispielsweise Petroleum.

Im Bundesland Brandenburg sind noch viele dieser alten Keller zu finden, auf alten Bauernhöfen oder Gutshäusern. Sie werden aber in den meisten Fällen nicht mehr genutzt oder zweckentfremdet oder sind mit Gerümpel voll gestellt.Bei der Lage des Kellers musste sichergestellt sein, dass der Kellerboden ausreichend über dem höchsten Grundwasserspiegel lag und dass versickertes Regenwasser nicht eindringen konnte. Im Gegensatz zu den Eiskellern war eine Isolierung gegen die Bodenwärme nicht erforderlich. Wichtig war auch eine gute Be-und Entlüftung und der Schutz vor Ungeziefern wie Mäusen oder Ratten.

Ein häufig noch vorhandener Typ ist der unterirdische Keller, der sich im flachen Gelände befindet. Er besitzt ein kleines Zugangsbauwerk, in dem eine steile Treppe oder Leiter nach unten führt. Der eigentliche Keller befindet sich dann knapp unter dem Gelände, sein Boden liegt damit etwa 2 bis 3 Meter unter der Geländeoberkante. Einen erheblichen Nachteil hatten diese Keller. Sie eigneten sich nicht für schwere oder sperrige Güter, da alles über die Kellertreppe hinunter getragen werden musste, sofern nicht eine gesonderte Ladeluke vorhanden war.Der Kellerdecke konnte als Tonnengewölbe ausgebildet sein. Größere Keller wurden auch mit den sogenannten Preußischen Kappen abgedeckt. Hierbei bilden mehrere parallele Stahlträger die Widerlager für flache Tonnengewölbe (Kappen). Die Kappen bestehen aus Ziegelsteinen oder Beton. Die Bauhöhe der preußischen Kappen war wesentlich niedriger als bei einem vergleichbaren Gewölbe.

Wesentlich einfacher war der Bau der übererdeten Keller. Bei diesem Bautyp hat man sich darauf beschränkt, den Keller nur halb in den Boden einzulassen. Anschließend wurde das Mauerwerk errichtet, und der Keller wurde mit dem Erdaushub der Baugrube abgedeckt. Als zusätzlichen Schutz vor der Sonneneinstrahlung konnte der Keller mit kleinen Büschen bepflanzt werden. Wenn der Kellerboden nur noch einen Meter unter der Geländeoberkante liegt, ist der Zugang zum Keller mit einer kleinen Rampe möglich.

In hügeligen Gegenden konnte der Keller in Hanglage errichtet werden. Er wurde entweder in einer offenen Baugrube errichtet oder musste bei zu hohen Hängen bergmännisch vorangetrieben werden. Wenn der Zugang ebenerdig erfolgte oder über eine flache Rampe, konnte man mit Hilfe einer Schubkarre schwerste Lasten einlagern, wie gefüllte Fässer oder große Kisten.



Abb. 6-03: Lagerkeller im Landkreis Uckermark



Abb. 6-04: Keller im Landkreis Märkisch-Oderland



Abb. 6-05: Lagerkeller im Landkreis Teltow-Fläming



Abb. 6-06: Lagerkeller im Landkreis Havelland



Abb. 6-07: Luckau, Keller unter dem Schlossberg



Abb. 6-08: Lagerkeller im Landkreis Barnim



Abb. 6-19: Prignitz, Lagerkeller



Abb. 6-20: Prignitz, Lagerkeller

Petroleumkeller


Abb. 6-09: Bauwerk an einem Bahnhof im Landkreis Oberhavel



Abb. 6-10: Petroleumkeller der Berlin-Dresdener Eisenbahn, Querschnitt (um 1881)


Vereinzelt findet man noch an kleinen Bahnhöfen in Brandenburg Erdkeller, die vermutlich zum Lagern von brennbaren Flüssigkeiten genutzt worden sind. Dafür spricht die Tatsache, das sie als einzeln stehendes Bauwerk nicht in der Nähe vom Empfangsgebäude oder Güterschuppen stehen, damit diese bei einem Feuer oder einer Verpuffung nicht gefährdet werden.

Im Zentralblatt der Bauverwaltung vom 31. Dezember 1881 wird über Petroleum-Keller berichtet, die auf Stationen der Halle-Sorau-Gubener und Berlin Dresdener Bahn aufgeführt wurden: „Die Baulichkeit stellt ein einfaches, zum Theil unter Terrainhöhe liegendes und außer die Schildmauern noch durch 2 Gurtbögen verstärktes, im oberen Theil nur ½ Stein starkes, halbkreisförmiges Tonnengewölbe dar, welches mit einer Zementschicht abgedeckt ist. Das Sohlenpflaster aus Mauersteinen ist allseitig nach einer in der Mitte des Raumes angeordneten, mit einem eisernen Gitter abgedeckten Senkgrube hin mit einem Gefälle versehen. Die Eingangsthür, zu welcher von aussen eine flache Einschnittsrampe führt befindet sich in der einen Schildmauer. In der Gewölbedecke sind noch 4 einfache Luftabzüge aus Ziegeln in Cementmörtel eingelegt. Der Raum fasst im ganzen 43 Fass Petroleum, welche auf entsprechendeUnterlagen aus Tannenholz gelagert werden. Die Anlage eines Petroleumskellers hat nur 500M Kosten verursacht.[1881/03]

Weinanbau in Brandenburg

Dieses Kapitel der brandenburgischen Geschichte ist weitgehend vergessen. Bereits seit dem 13. Jahrhundert wurde in der Mark Brandenburg Weinanbau betrieben, hauptsächlich von Klöstern und dem Adel. Da die besseren Weine aus südlicheren Regionen infolge hoher Transportkosten und Zollgebühren sehr teuer waren, begnügte man sich mit dem brandenburgischen Wein. Spötter sagten ihm nach: „Märkischer Erde Weinerträge gehen durch die Kehle wie eine Säge“.

Das Ende des märkischen Weinbaus vollzog sich im 18. und 19. Jahrhundert, verursacht durch harte Winter sowie später durch die Eisenbahnen, die die kostengünstige Einfuhr südlicheren Weines ermöglichten. Der brandenburgische Weinanbau verlagerte seinen Schwerpunkt von Kelterweintrauben zu Speiseweintrauben. Aus den gleichen Gründen breiteten sich die Obstbäume in den Weinbergen immer weiter aus, wie zum Beispiel die Kirschbäume in Werder. Die meisten der ehemaligen Weinberge sind jedoch verwildert oder wurden im Laufe der Zeit überbaut. Der heute in Berlin und Brandenburg betriebene Weinanbau wurde erst Ende des 20. Jahrhunderts wieder aufgenommen. In Berlin wird unter anderem am Kreuzberg und am alten Wasserbehälter in Prenzlauer Berg Wein angebaut, in Brandenburg dagegen etwa in Schlieben (Landkreis Elbe-Elster) und in Werder (Landkreis Potsdam-Mittelmark). Die Stadt Baruth(Mark) (Landkreis Teltow-Fläming) hat 2007 den Weinanbau auf dem Mühlenberg rekultiviert und will im Jahre 2009 den ersten Wein ernten.

Es soll in Brandenburg nach Angaben des brandenburgischen Ministeriums für Landwirtschaft 400 bis 500 Weinberge gegeben haben. Doch wo befanden sie sich? Zunächst reicht ein Blick in die Stadtpläne. Heute erinnern immer noch viele Orts- und Straßennamen an den Weinanbau:

  • Weinbergstraße in Havelberg, Potsdam, Bernau Weinbergsweg in Altdöbern

  • Am Weinberg in Lübbenau/Spreewald, Templin, Golm (Potsdam), Zichow (bei Angermünde), Kleinmachnow, Belzig

  • In/An/Auf den/m Weinberg(en) in Berlin- Spandau (bis 1931, heutiger Name Weinmeisterhornstraße), Fürstenwalde/Spree, Cottbus, Bad Saarow

  • Winzerberg in Potsdam

Eine Gesamtübersicht zu diesem Thema ist aber bisher nicht vorhanden. Es gibt immer nur vereinzelte Hinweise auf den regionalen Weinanbau, so zum Beispiel vom Landesumweltamt Brandenburg über den Weinanbau in Teltow- Fläming: „Bis 1782 wurden in Großbeuthen noch zehn Morgen Weinberge bewirtschaftet. Mit der Ernte wurde überwiegend die Essigfabrik in Zossen beliefert. Von ‚vorzüglicher‘ Qualität soll der Wein gewesen sein, den Mönche auf dem Dobbrikower Weinberg anbauten. Auf dem Stückener Weinberg, dem südlichsten Ausläufer der Saarmunder Moräne, wurde sogar 1801 noch Wein angebaut. Die Besiedelung ehemaliger Weinberge mit speziellen Pflanzen- und Tierarten ist auch heute noch für den Naturschutz interessant. Weinberge finden sich in fast allen Orten der Teltowplatte, weiter südlich vor allem nahe der Seen. Auch der Fläming-Anstieg bei Baruth wurde ehemals als Weinberg genutzt.[2009/04]

Der 1930 erschienene Jubiläumsband [1930/02] zum 60-jährigem Bestehen der Brauerei Böhmisches Brauhaus beschreibt den früheren Weinanbau an der Landsberger Allee in Berlin- Friedrichshain: „Das Bild außerhalb der alten Stadtmauern zeigte damals noch einen völlig ländlichen Charakter. Vor dem Landsberger Tor erhoben sich die Höhen des Barnim, bekrönt mit mehreren Windmühlen, die der Landschaft ein eigenes Gepräge gaben. Eine holprige, mit Kopfsteinen gepflasterte Landstraße, die spätere Landsberger Allee, damals Küstriner Chaussee genannt, führte bergauf. Früher war an den Südhängen des Barnim einmal lebhafter Weinbau betrieben worden. Vom Rosenthaler- bis zum Landsberger Tor zogen sich die Rebenhänge. Straßennamen wie Weinbergsweg, Weinmeisterstraße, Weinstraße, erinnern noch an diese Zeiten. In der Landsberger Straße besaß der berühmte Feldmarschall Derfflinger große Weingärten. Sauer sind diese Tropfen gewesen, nur genießbar durch künstliche Süßung und starke Würzung; dennoch haben sich auch für diesen Wein Dichter begeistert. Größer aber war freilich die Zahl der Spötter. Der harte Winter 1739/40 ließ die meisten Weinstöcke erfrieren und bereitete dem Berliner Weinbau ein Ende. Die Rebe erforderte eben ein milderes Klima und einen anderen Boden. Trefflich eigneten sich aber die Höhen vor den Toren zur Anlage von Brauereien.

Selbst für den preußisch-königlichen Hof wurde in der unmittelbaren Umgebung vom Schloss Sanssouci an drei Stellen Wein angebaut. Weltberühmt sind die Weinberg-Terrassen direkt unterhalb des Schlosses Sanssouci. Daneben gab es einen Weinberg am Südhang des Winzerberges, der wenige Hundert Meter weiter östlich liegt. Dort wurde eine Terrassenanlage errichtet, die seit 1763 zum Weinanbau genutzt wurde. Die Ruine wird seit 2005 vom Verein „Freunde des Winzerberges“ [2009/05] renoviert Schließlich wurden 1769 die königlichen Nutzgärten auf dem Klausberg zum Anbau von Obst und Gemüse für die königliche Tafel angelegt. Auch hier soll Wein angebaut worden sein. Der Klausberg befindet sich 400 Meter westlich vom Schloss Sanssouci.

Schlieben

Es gibt neben den Straßennamen auch noch andere Überreste vom Weinanbau: die Lagerkeller. Diese Keller wurden zur Lagerung von Obst, Gemüse oder Geräten genutzt. Es gibt in Brandenburg zwei Orte, an denen um die alten Weinberge Dutzende von diesen Kellern noch vorhanden sind: in Schlieben und Baruth (Mark). Es wird in Brandenburg sicherlich noch weitere derartige Keller geben. Leider gibt es hierzu kaum Unterlagen oder Literatur, so dass es sich immer nur um zufällige Funde handelt.

Die Stadt Schlieben liegt im Süden Brandenburgs, nahe der Grenze zu Sachsen und Sachsen- Anhalt und etwa 120 km südlich von Berlin. Schlieben erhielt 1606 das Stadtrecht, aber schon im 11./12.Jahrhundert legten Zisterziensermönche aus dem nahe gelegenen Kloster Doberlug die ersten Weingärten an. Zu beiden Seiten der Kellerstraße befinden sich 35 Lagerkeller, die zum größten Teil zwischen 1510 und 1542 erbaut wurden. Die Keller, alle in den so genannten „Langen Berg“ am Fuße des Weinberges gegraben, stehen unter Denkmalschutz und sind nach wie vor standsicher. Sie haben alle ein großes steinernes Portal zur Straße, an er sich meist ein kleiner Vorraum anschließt, von dem eine Kellertreppe bzw. ein Gang zum Lagerraum führt. Die Lagerräume sind als Tonnengewölbe ausgeführt, von denen der längste über 30 Meter lang ist. Die historischen Keller wurden neben der Weinlagerung sowie auch der Aufbewahrung von Eis, vor allem in den letzten Jahrzehnten für die Lagerung von Kartoffeln, Rüben, Saatgut, Obst und Gemüse benutzt. Auch heute noch ist ein Teil der Gewölbe im Privatbesitz, steht aber überwiegend leer. Einige Weinkeller können beim Kellerstraßenfest, das Anfang Oktober stattfindet, besichtigt werden. Standesgemäß findet dann auch in einem der Keller eine Weinverkostung des Schliebener Weines statt.



Abb. 6-11: Schlieben, Zugang zu den Kellern 4 bis 9 (v.r.n.l.).



Abb. 6-12: Schlieben, Keller 1.



Abb. 6-13: Schlieben, Keller 8



:Abb. 6-14 Schlieben, Keller 17.

Baruth (Mark)

Baruth (Mark) liegt etwa 55 Kilometer südlich von Berlin. Es wurde erstmals 1234 urkundlich erwähnt und besitzt seit 1616 Stadtrechte. Mit dem Weinanbau wurde vermutlich schon vor dem 16. Jahrhundert begonnen. Das alte Stadtwappen von Baruth aus dem Jahr 1638 zeigt mehrere Weinstöcke. Dies kann ein Hinweis auf die Bedeutung des Weinanbaus sein. Unterhalb des Mühlenberges befinden sich mindestens 15 Keller. Hiervon wurden bisher nur die drei Keller südlich des Friedhofes restauriert. Einige der Baruther Keller, die auf Privatgrundstücken stehen, erscheinen von außen in einem relativ guten Zustand, andere Keller im Wald sind teilweise verfallen oder akut einsturzgefährdet. Über die Baugeschichte und das Alter gibt es leider kaum Informationen.



Abb. 6-15: Baruth (Mark), Vorraum zu einem Lagerkeller.



Abb. 6-16: Baruth (Mark), ehemaliger Lagerkeller.



Abb. 6-17: Baruth (Mark), Osthang des Mühlenberges.



Abb. 6-18: Baruth (Mark), verfallener Keller im Wald.

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(Stand 02.01.14)

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